REISEN INS LANDESINNERE (1988) – Titelklau?
TITELKLAU?

Der Titel ‚Reisen ins Landesinnere’ wurde nach Erscheinen des Filmes rasch bekannt – und wurde oft, unabhängig vom Film, als besonders gelungener oder schöner Titel hervorgehoben. Vielfach wurde er bis heute wiederholt zitiert und immer wieder gab es Anfragen für eine Titelübernahme, beispielsweise für Bücher, andere Filme, Veranstaltungen. Nie aber wurde der Titel ohne Rückfrage für ein anderes Werk öffentlich verwendet.

Das änderte sich 2012, als ein Buch mit dem Titel ‚Reisen ins Landesinnere’ erschien, notabene mit einem Inhalt, der dem Film mehr als ähnlich ist: Figuren und Geschichten aus der Schweiz. Weder Autor noch Verlag hatten jedoch jemals mit ODYSSEEFILM bezüglich der Verwendung des Filmtitels für ihr Buch Kontakt aufgenommen, geschweige denn eine diesbezügliche Vereinbarung gesucht.

Auf die nicht autorisierte Titelübernahme angesprochen, versuchte sich der Verlag zunächst darauf herauszureden, man habe vom Film nichts gewusst, bezw. erst davon gehört, als das Buch schon draussen war. Bald liess sich jedoch nachweisen, dass Autor und Verlag lange vor Erscheinen des Buches über den Film Bescheid wussten. Gegenüber einer Drittperson gestand der Autor sogar schriftlich ein, sehr wohl zu wissen, dass sein Buchtitel letztlich auf den Film von 1988 zurückgehe. Er fand: ‚Irgendwoher muss er ja kommen.’

Autor und Verlag stellten sich danach auf den Standpunkt, dass der Titel nicht geschützt und für jedermann frei verfügbar sei.

Tatsächlich besteht in der Schweiz – im Gegensatz zu Deutschland und anderen EU-Ländern - kein wirksamer Titelschutz. Nur wenn ein Titel nachweislich ein eigenständiges künstlerisches Werk darstellt, ist er gesetzlich geschützt. Die Kriterien hierzu sind ausgesprochen unklar und hängen gänzlich vom kreativen und sprachlichen Einfühlungsvermögen bezw. von der Willkür eines allfälligen Richters ab. Aus diesem Grund musste auf rechtliche Schritte verzichtet werden: die Abhängigkeit vom kulturellen und sprachlichen Bewusstsein eines Richters stellte ein zu grosses (finanzielles) Risiko dar.

Autor und Verlag wussten um diese Lücke im schweizerischen Urheberrecht und haben diese ausgenutzt. Konkret bedeutet dies, dass bereits bestehende und veröffentlichte Titel ohne grosses Risiko übernommen und als eigene Titel öffentlich verwendet werden können.

Dennoch kommt es in der Schweiz, nach Auskunft von Urheberrechtsgesellschaften, kaum je dazu, dass dieses Fehlen eines wirksamen Titelschutzes wie im vorliegenden Fall ausgenutzt wird. Neben dem üblichen Respekt vor Kollegen, werden Autoren und Verlage normalerweise durch ihren Stolz auf einen eigenen Titel, bezw. die drohende Peinlichkeit, als Titelklauer dazustehen, davon abgehalten, bereits veröffentlichte Werkstitel als ihre eigenen Kreationen auszugeben.

Warum im vorliegenden Fall dieser natürliche Respekt unter Kollegen bei Buchautor und Verlag versagten, ist nicht bekannt.
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